Mehr Zufriedenheit im Leben durch Dankbarkeit

Wintersonne auf einem See. Schlittschuhläufer laufen über das Eis. (c) Reiner Müller - Angstfreier leben

Mehr Zufriedenheit im Leben durch Dankbarkeit

von (c) Reiner Müller (Angsttherapeut und Heilpraktiker für Psychotherapie)

„Freue Dich lieber über das, was Du hast, anstatt Dich darüber zu ärgern, was Dir fehlt.“

Bist Du unzufrieden?

Kennst Du dieses Gefühl? Eigentlich ist gerade alles im Lot. Im Job läuft es gut und auch im privaten Bereich gibt es keine Probleme. Obwohl Du keinen Grund dafür erkennen kannst, wirst Du das Gefühl der Unzufriedenheit nicht los. Auch Deine Suche nach den Ursachen ist bislang ohne Erfolg verlaufen. Denn eigentlich geht es Dir doch gut. Auch den Menschen in Deinem Umfeld fehlt das Verständnis: „Du hast keinen Grund für Deine Unzufriedenheit. Zeig doch mal ein bisschen mehr Dankbarkeit!“

Doch so leicht ist es oft nicht. Das Gefühl der Unzufriedenheit lässt sich leider nicht einfach abschalten. Trotzdem ist es möglich, mehr Zufriedenheit im Leben und echte Dankbarkeit zu empfinden.

Wie Du mehr Zufriedenheit im Leben erreichen kannst

Unzufriedenheit kann viele Gründe haben. Manchmal sind wir unzufrieden, weil wir Frust oder Neid in uns spüren. Die Nachbarin macht sich für ihre Urlaubsreise bereit und wir bleiben wieder nur zu Hause. Da ist der Kollege, der schon wieder eine Gehaltserhöhung bekommen hat, während wir uns erfolglos bemühen, vom Chef beachtet zu werden. Dieses Gefühl, nicht genug zu sein oder nicht dasselbe haben zu können wie Andere, erzeugt Frust und Neid. Der Vergleich mit Anderen sorgt dafür, dass wir das Eigene nicht mehr wertschätzen. Um jedoch mehr Zufriedenheit im Leben erreichen zu können, ist es wichtig, diese unangenehmen Gefühle als unnötig zu erkennen. Wenn wir nämlich genau hinschauen, erkennen wir, dass Frust und Neid uns nicht weiterbringen. Für echte Dankbarkeit ist daher der Blick auf den eigenen Status quo entscheidend. Diese kleinen Tricks können Dich dabei unterstützen.

Dankbarkeitstagebuch

Ein Dankbarkeitstagebuch ist eine wunderbare Gelegenheit, Dir darüber bewusst zu werden, worin Du Dankbarkeit und Glück findest. Dabei geht es nicht unbedingt um die großen Meilensteine in Deinem Leben. Die alltäglichen kleinen Begegnungen oder Erlebnisse bieten bereits viele Gelegenheiten, um dankbar zu sein. Vielleicht bist Du dankbar dafür, dass Du heute an den Regenschirm gedacht hast, als du aus dem Haus gegangen bist und es plötzlich wie in Strömen geregnet hat. Oder Du hast Dich an einen alten Schulfreund erinnert und bist dankbar über die Erlebnisse, die ihr miteinander teilen konntet.

Wenn Du noch kein Tagebuch führst, weil du meinst, die Zeit dafür nicht zu haben, kann ich Dich beruhigen. In meinem Dankbarkeitstagebuch notiere ich jeden Abend in Stichpunkten, wofür ich dankbar bin. Das kostet nur wenige Minuten. Wenn ich mir am Ende der Woche aber meine Notizen durchlese, bemerke ich, dass ich sehr viele Momente erlebt habe, für die ich dankbar war. Das hilft mir besonders, wenn ich mit etwas unzufrieden bin. Auf diese Weise führe ich mir vor Augen, dass die Gelegenheiten zu Dankbarkeit und Zufriedenheit überwiegen.

Bohnentechnik

Eine einfache Übung, sich auf die kleinen Dinge zu konzentrieren, ist die Bohnentechnik. Hierfür kannst Du Kaffeebohnen, Steine oder Knöpfe benutzen. Stecke Dir eine Handvoll davon in die Hosentasche. Während Du durch den Tag gehst, achtest Du bewusst auf die kleinen und schönen Dinge. Jedes Mal, wenn Du etwas bemerkst, für das Du Dankbarkeit empfindest, legst Du eine Kaffeebohne bzw. einen Stein oder Knopf aus der einen Hosentasche in die andere. Das kann zum Beispiel ein sonniger Wintertag sein, auch für einen Regentag kannst Du dankbar sein, weil sich die Natur über das wertvolle Nass freut. Am Ende des Tages leerst Du Deine Hosentaschen aus und kannst feststellen, wie häufig Du Dankbarkeit empfunden hast.

Die Bohnentechnik ist auch eine Form von Achtsamkeitsübung. Um all die kleinen Dinge, für die Du dankbar bist, wahrzunehmen, musst Du deine Aufmerksamkeit ganz bewusst darauf lenken. 

Den Tag mit Dankbarkeit beginnen

Es gibt Tage, vor denen graut es einem schon, bevor sie richtig begonnen haben. Es steht vielleicht ein schwieriges Gespräch mit Deinem Chef, Kunden oder Kollegen bevor oder ein unangenehmer Zahnarztbesuch lässt sich nicht mehr vermeiden. Bevor die Unzufriedenheit Dich für den Rest des Tages in Schach hält, halte beim Frühstück kurz inne. Frage Dich ganz bewusst: „Worauf freue ich mich an diesem Tag?“

Es kann nicht jeder Tag dir ein unvergessliches Erlebnis parat haben. Aber selbst wenn eine unangenehme Aufgabe auf Dich wartet, kannst Du Dich darauf freuen und dafür dankbar sein, dass Du sie am Ende des Tages bewältigt haben wirst. Vielleicht möchtest Du am Abend etwas Schönes kochen oder Dich mit einem guten Freund treffen. Konzentriere Dich auf diese schönen Erlebnisse, anstatt nur die Unzufriedenheit im Blick zu haben.

Sich mit der Unzufriedenheit auseinandersetzen

Mithilfe dieser Übungen kannst Du für mehr Zufriedenheit im Leben sorgen, indem Du bewusst Dankbarkeit empfindest. Dankbar zu sein ist vor allem ein gutes Mittel gegen Frust und Neid. Auch wenn sich Deine Gedanken um eine unliebsame Aufgabe drehen, kannst Du mit Dankbarkeit den Fokus auf die schönen Dinge lenken.

Es gibt aber viele weitere Ursachen für Unzufriedenheit. Gerade wenn Du sie nicht benennen kannst, solltest Du sie aktiv ergründen. Denn in manchen Fällen reicht es nicht aus, sich auf die Sonnenseite des Lebens zu konzentrieren. Gerade dann ist es hilfreich, sich intensiv mit der eigenen Gedanken- und Gefühlswelt auseinanderzusetzen und herauszufinden, worin die wahren Ursachen des Unzufriedenheitsgefühls zu finden sind.

Für diese Auseinandersetzung kann es hilfreich sein, eine weitere Perspektive durch einen Coach oder Therapeut zu erhalten. Der Blick von außen ermöglicht oft eine Klarheit, die man allein nicht erlangt hätte.

Text: Reiner Müller - © 2019/10
Angsttherapeut und Heilpraktiker für Psychotherapie

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