Warum wir negative Gefühle nicht verdrängen sollten

Ein Weg im Wald. Links ein Berg, rechts ein Tal, in der Mitte führt der Weg.

Wie können wir unsere negative Gefühle verstehen

von (c) Reiner Müller (Angsttherapeut und Heilpraktiker für Psychotherapie)

Was wir denken und fühlen und wie wir handeln, hängt eng miteinander zusammen. Unsere Gedanken und Gefühle wirken sich auf unser Handeln aus. Ebenso können wir mit unserem Handeln unsere Gedanken und Gefühle beeinflussen. In diesem Beitrag konzentrieren wir uns auf die negativen Gefühle, wie sie auf uns wirken und wie wir auf sie einwirken können.

Denn niemand kann jeden Tag gut gelaunt sein. Dennoch streben wir danach, uns jederzeit glücklich und zufrieden zu fühlen. Wir wollen mit uns im Reinen sein und uns im Ganzen wohlfühlen. Sogenannte negative Gefühle wie Trauer, Wut, Scham oder Angst versuchen wir weitestgehend zu vermeiden. Empfinden wir dennoch etwas, das wir nicht mögen, sind wir geneigt, diese negativen Gefühle zu verdrängen. Warum Du diesem Impuls nicht nachgeben solltest und wie Du stattdessen mit ungeliebten Gefühlen umgehen kannst, erkläre ich Dir in diesem Artikel.

Was sind negative Gefühle?

Als negative Gefühle bezeichnen wir jene Empfindungen, die uns Unbehagen bereiten. Manchmal können daraus sogar echte innere Schmerzen entstehen. Dies versuchen wir, so weit es geht, zu vermeiden. Empfinden wir dennoch Trauer, Wut, Scham oder Angst, wollen wir diese negativen Gefühle verdrängen. Allerdings bringen wir uns damit unter Umständen um eine wichtige Erkenntnis. Denn negative Gefühle haben – wie die inneren Anteile – eine positive Botschaft für uns.

So entsteht Wut unter anderem, wenn wir uns von anderen übergangen fühlen. Dieses Gefühl will uns also dabei helfen, für uns selbst einzustehen. Auch die Angst meint es gut mit uns: Sie schützt uns vor gefährlichen Situationen. Manchmal erkennen wir sogar erst durch die Angst, dass wir uns in Gefahr befinden.

Dennoch können diese Gefühle dafür sorgen, dass wir uns nicht angemessen verhalten. Dann tun wir vielleicht etwas, das wir nicht wollen oder das uns im Nachhinein leidtut. Aus Wut können heftige Reaktionen gegenüber unseren Mitmenschen entstehen. Das Gefühl der Angst kann uns in eigentlich harmlosen Situationen blockieren. Gerade dann ist es wichtig, die negativen Gefühle nicht zu verdrängen.

Was passiert, wenn wir negative Gefühle verdrängen?

Etwas verdrängen bedeutet nicht, dass es nicht mehr da ist. Hast Du schon einmal versucht, einen Ball unter Wasser zu drücken? Dann weißt du auch, dass er immer seinen Weg an die Oberfläche findet – oftmals mit großer Kraft und an ganz anderer Stelle.

Wie der Ball unter Wasser verschwinden auch die negativen Gefühle nicht, wenn Du sie unterdrückst. Vielleicht gelingt es, dass Du sie eine Zeit lang nicht spürst. Doch werden auch sie in einer anderen Situation und unter Umständen noch stärker als zuvor wieder in Dir aufsteigen. Dann kann es passieren, dass das Gefühl Dein Handeln in einem Maße beeinflusst, das Du später bereust. Um dem vorzubeugen, kannst Du, statt die Gefühle zu verdrängen, auf Ihre Botschaft hören.

Die Botschaft der negativen Gefühle

Dass Du die negativen Gefühle nicht verdrängen solltest, bedeutet nicht, dass Du ein Leben lang mit diesen Gefühlen leben musst. Wenn die Gefühle Dich zu lange hemmen oder quälen und diese Qual vielleicht sogar körperlich wird, bedeutet dies, dass Du etwas tun musst. Denn wie Du fühlst, denkst und handelst, kannst Du beeinflussen.

Du musst Dich also nicht ohnmächtig diesen negativen Gefühlen hingeben. Stattdessen stellst Du Dich den negativen Gefühlen und setzt Dich mit ihnen und ihren Ursprüngen auseinander. Hierfür ist es wichtig, dass Du die Botschaft verstehst und auflöst.

Angst kann anzeigen, dass Du Dich in einer gefährlichen Situation befindest. Wut und Ärger bedeuten oft, dass andere nicht so sind oder handeln, wie Du es Dir wünschst und Du Dich hilflos und ohnmächtig fühlst. Eifersucht will Dir zeigen, dass Du Dir Aufmerksamkeit und Liebe wünschst. Schmerz und Trauer signalisieren häufig, dass Dir Zuwendung von anderen oder auch von Dir selbst fehlt.

Verstehe, dass Dir die negativen Gefühle eine Botschaft senden, und erkenne ihren Ursprung und Ihre Intention. Dadurch entsteht ein Verständnis, das Dir erlaubt, mit den negativen Gefühlen abzuschließen.

Die Botschaft der negativen Gefühle zu erkennen, zu verstehen und ihr den Raum zu geben, damit sie tatsächlich verarbeitet werden können, gelingt oftmals erst, wenn wir von anderen dabei begleitet werden. Gerade wenn diese Gefühle bislang verdrängt wurden, kann ein Coach eine gute Unterstützung sein und als Übersetzer unserer Gefühle dienen.

 

Text: Reiner Müller – © 2020/01
Angsttherapeut und Heilpraktiker für Psychotherapie

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