Sich ständig mit anderen vergleichen ist wie Gift trinken

Eine Leiter ist an eine Hauswand neben einem Fenster angestellt. Daneben der Schriftzug "Sich ständig mit Anderen vergleichen ist wie Gift."

Wer sich ständig mit anderen misst, wird regelmäßig verlieren

Ein Beitrag von Angsttherapeut Reiner Müller (c) 2019/03

 

Das Problem

Du vergleichst Dich ständig mit anderen Menschen? Mit Deinen Freundinnen und Freunden, Deinen Kolleginnen und Kollegen? Du stehst ständig im Wettbewerb mit Anderen? Hast Angst, nie gut genug zu sein? Das Gefühl unvollkommen oder nicht ausreichend zu sein? Du willst ständig besser sein? Du arbeitest schon bis zum Umfallen und hast das Gefühl, dass Du noch nicht genug geleistet hast? Doch Deine Ängste werden nicht kleiner und Du bist in ständiger Unruhe und Nervosität? Kommst nie zur Ruhe?

Du musst ständig auf Deinem Smartphone nach eingehenden Nachrichten schauen? Hast das Gefühl, dass Du ständig erreichbar sein musst? Das Du auf Nachrichten sofort antworten musst? Du fühlst Dich ständig getrieben?

Auch im Urlaub kannst Du nicht zur Ruhe kommen? Du fühlst in Dir eine innere Leere, wenn Du allein bist?

 

Was macht das mit Dir?

Du wirst immer verlieren, wenn Du Dich ständig mit anderen vergleichst. Es wird immer einen Menschen geben, der schneller rennt, der höher springt, der mehr Geld verdient als Du. Der ein größeres Haus hat als Du, ein tolleres Auto, einen schöneren Partner oder Partnerin hat. Einen Menschen, der bessere Reden halten kann, Dinge besser erklären kann, einen höheren IQ hat, mehr Freunde hat, der schöner Klavier spielen kann.

Selbst wenn Du es geschafft hast und Du die Olympiamedaille in Gold gewonnen hast, wird die Angst bis zum nächsten Wettbewerb dauern. Ständig werden Dich Fragen quälen. Wirst Du den Titel verteidigen können? Wird es jemanden in der Zukunft geben, der es besser kann als Du? Wie lange wird es dauern?

Du wirst nie zur Ruhe kommen, wenn Du Dich immer mit anderen vergleichst. Du wirst immer verlieren, weil es nur eine Frage der Zeit ist, bis jemand kommt, der es besser kann.

 

Wo kommt es her?

Frage Dich, woher diese innere Unruhe und Getriebenheit kommen. Was würde passieren, wenn es jemanden gibt, der es besser kann als Du? Wenn Du nicht die Beste bist? Sondern nur die Zweite oder der Dritte bist?

Was kommen dann für Sätze in Dir hoch? Sind es solche Sätze wie: ich bin ein Verlierer, eine Verliererin? Oder vielleicht: Ich bin eine Versagerin? Ich kann nicht mithalten? Ich bin nichts wert? Ich bin ohnmächtig? Ich schäme mich?

Wer oder was treibt Dich immer zu Höchstleistungen? Was passiert, wenn Du einmal keine Bestleistung ablieferst? Wie fühlst Du Dich dann?

Hörst Du Deine Eltern, Deine Mutter, Deinen Vater dann einen bestimmten Satz sagen? Oder einen Lehrer, einen Mentor oder Dozenten, der Dich mal bestraft hat, weil Du etwas verhauen oder vergeigt hast?

Was war das damals für ein Gefühl? Kommt dies jetzt wieder hoch, wenn Du mal einen Fehler machst?

Wie stehst Du zu Fehlern? Was ist Deine Einstellung dazu? Sind Fehler etwas Schlechtes? Und wenn ja, woher weißt Du das?

 

Was hilft?

Vielleicht hast Du herausgefunden, dass Du von einer anderen Person Einstellungen übernommen hast, die Dich dazu bringen, Dich ständig mit anderen zu vergleichen. Vielleicht sind es limitierende Glaubenssätze wie „Du wirst es nie zu etwas bringen. Wenn Du Dich nicht anstrengst musst Du später...“ Solche Sätze können sehr hartnäckig sein und uns daran hindern, glücklich zu werden und unsere Ziele zu erreichen. Oder Ziele zu verfolgen, die gar nicht unsere eigenen sind.

Durch solche Sätze können sich tiefe Ängste in uns verfestigen. Angst davor, nicht von unseren Eltern geliebt zu werden, wenn wir uns nicht (genug) anstrengen. Angst vor Armut, auf der Straße oder unter der Brücke leben zu müssen. Finanzielle Armut kann uns in unserem Leben sehr beschränken. Aber mehr noch beschränkt uns das Gefühl, nicht geliebt zu werden, keine Freunde mehr zu haben und allein sein zu müssen, ohne Unterstützung. Und dieses wird oft an die Angst vor Armut gekoppelt. Dabei ist es eine Angst vor seelischer Armut und Einsamkeit, die nichts mit finanzieller Armut zu tun haben muss.

 

Wie kommst Du aus dieser Falle heraus?

Stärke Dein Selbstbewusstsein, indem Du Dich auf Deine innere Stärke und Kraft konzentrierst. Mache Dich unabhängig von dem Urteil der Anderen. Löse limitierende Glaubenssätze auf und konzentriere Dich auf positive Affirmationen, die Dich unterstützen.

Mache Dir bewusst, dass Fehler eine Chance für Weiterentwicklung sind und alle Menschen schon mal Fehler in ihrem Leben gemacht haben. Menschen ohne Fehler wirken kalt und unnatürlich. Menschen werden gerade und trotz ihrer Fehler geliebt. Das macht sie menschlich.

Also, wenn Du in einem Vergleich nicht als Beste oder Bester abschneidest, bist und bleibst Du trotzdem ein liebenswerter Mensch. Mach Dir bewusst, dass Du ein liebenswerter Mensch bist und dass Du nicht auf Grund Deiner Leistungen geliebt wirst. Dein Charakter, Deine Eigenheiten, Schwächen, Deine Kreativität und Flexibilität machen Dich zu einem unverwechselbaren Charakter. Und dafür wirst Du geliebt. Weil Du so bist, wie Du bist. Mit all Deinen Fehlern und Macken.

Du bist und bleibst der wichtigste Mensch in Deinem Leben, so wie Du bist.

 

Autor: Reiner Müller – Heilpraktiker für Psychotherapie (c) 2019/03

 

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