Können zum Beispiel Kleinkinder schon nervös sein? Ab welchem Alter empfinden wir Nervosität?

Was sind die Ursachen von Elternängsten?

Frauen sind öfter von Ängsten und Angststörungen betroffen als Männer. Diese sind meist weniger ängstlich, jedoch nicht weniger emotional beteiligt an der Entwicklung ihrer Kinder. Ängste können vor der Schwangerschaft des Kindes entstanden sein und durch die Schwangerschaft reaktiviert werden. Emotional belastende Ereignisse, traumatische Erlebnisse oder die eigene unsichere Bindung zu den Eltern können wieder ins Bewusstsein kommen. Je nach Temperament und der eigenen Biografie sind die Reaktionsmuster unterschiedlich. Je bedrohlicher die Angst subjektiv erlebt wird, umso eher wird in alte Verhaltensmuster zurückgefallen, die zum Teil nicht mehr kontrolliert werden können. Betroffene können gelähmt sein, angreifen oder flüchten.

Ängste von Eltern um ihre Kinder können im Verlauf des Älterwerdens des Kindes entstehen und sich verändern.

 

Vor der Geburt und in der Schwangerschaft

Die Bindung zwischen den Eltern, insbesondere der Mutter, und dem Kind beginnt bereits in der Schwangerschaft. Eine gute Bindung ist der „Sicherheitsgurt“ für Mutter und Kind. Er verbindet beide und gibt dem Kind Sicherheit und Ur-Vertrauen. Ist die Bindung unsicher, so besteht eine permanente Angst vor Trennung. Dies wirkt sich auf das Verhalten der Mutter und des Kindes aus. Wenn das Vertrauen in die Welt beim Kind nicht aufgebaut wurde, kann dies zur Entstehung psychischen Störungen im weiteren Leben führen.

Ursachen von unsicherer Bindung können die Lebenserfahrungen der Mutter oder des Vaters sein. Haben sie in ihrer Kindheit eine liebenswerte Beziehung zu ihren Eltern erlebt, fällt es ihnen leichter, zu ihren Kindern eine liebenswerte und enge Bindung aufzubauen. Erlebten sie ihre Mutter oder ihren Vater distanziert, ambivalent oder abweisend, wird es ihnen schwerer fallen, eine normale und sichere Bindung zum Kind aufzubauen. So können unsichere Bindungen über Generationen weitergegeben werden.

Traumatische Erfahrungen, der Verlust eines nahen Menschen, eine Fehl- oder Totgeburt können die Ursachen von elterlichen Ängsten sein. Eine vorgeburtliche Untersuchung, die Miss- oder Fehlbildungen des Fötus oder eine Behinderung diagnostiziert, kann zu großen Ängsten bei der werdenden Mutter führen. Dabei können die meisten erblichen Behinderungen nicht diagnostiziert werden, hinzu kommt, dass viele Behinderungen nicht erblich sind oder erst nach der Geburt erworben werden. Gefühle von Überforderung oder Existenzängste können so ausgelöst werden. Fangen der Vater des Kindes und die Umgebung die Ängste der Mutter gut auf und werden sie selbst nicht von den Ängsten überschwemmt, so ist dies eine wesentliche Ressource, damit die Mütter mutig und angstfrei die Schwangerschaft fortführen und in die Elternschaft gehen kann.

Eltern können sich um geburtliche Komplikationen sorgen. Dabei ist die Schwangere in der Ambivalenz zwischen der Angst um die eigene Gesundheit und die Gesundheit des Kindes.

In der Schwangerschaft können Stress, berufliche Belastungen oder Konflikte in der Partnerschaft, bei der werdenden Mutter frühere Ängste und Schuldgefühle reaktivieren. Dieser Stress wirkt sich auf die Hormone der Mutter aus. Die Stresshormone können auf das Baby übertragen werden und später Einfluss auf die kindliche Verhaltensregulation haben, wie das Schlaf-, Schrei- oder Bindungsverhalten des Kindes. Dieses Verhalten des Kindes kann wiederum Ängste der Mutter auslösen oder verstärken.

Komplikationen in der Schwangerschaft, wie vorzeitige Wehen oder die Abhängigkeit von Substanzen (Drogen, Alkohol, Medikamenten) können weitere Ursachen für die Entstehung von Ängsten sein.

Vor der Geburt überlegen sich die werdenden Eltern, wie es mit dem Kind sein wird. In den Schwangerschaftsfantasien der Mutter (und des Vaters) geht es um den späteren Platz des Kindes. Dabei werden Hoffnungen, Befürchtungen, Zuschreibungen, innere Bilder, die Herkunftsgeschichte der Eltern aktiviert und verankert. Werden diese beim Aufwachsen des Kindes enttäuscht, kann es zu Ängsten, Befürchtungen und Sorgen der Eltern kommen.

 

Nach der Geburt

Wird das Kind zu früh geboren, kann dies zu Ängsten bei den Eltern führen. Kommt das Kind zum geplanten Zeitpunkt, gibt es bei der Mutter Ängste, das Kind zu verlieren, zum Beispiel durch einen plötzlichen Kindstod oder die Befürchtung, dass die Nahrungsmenge nicht ausreichen könnte.

Bei einigen Müttern treten Wochenbettdepressionen auf. Fehlende Bewältigungsstrategien der Mutter können Unsicherheit, Unruhe und Ängste verfestigen.

Durch die emotional veränderte Situation der Elternschaft können „alte Filme ablaufen“ und frühere emotional belastende Erlebnisse reaktiviert werden. Kann der Partner die Ängste auffangen und wird er selbst nicht von den Ängsten überschwemmt, ist dies eine große Ressource und Unterstützung für die junge Mutter.

Wird das Kind zu sehr von äußeren Einflüssen und neuen Erfahrungen abgeschirmt, kann dies zu Regulationsstörungen beim Kind führen. Hubschraubermütter tun ihren Kindern nicht gut. Sie verwehren den Kindern die Erfahrung von Selbstwirksamkeit oder schränken diese stark ein. Das unsichere Verhalten der Mütter überträgt sich auf das Kind. Es wird ängstlich dabei, sich von der Mutter zu entfernen und die Welt zu erkunden. Dabei ist kindliche Neugier für das Lernen und die Entwicklung des Kindes von essentieller Bedeutung.

Im Kindergartenalter

Je mehr die Eigenständigkeit und Aktivität des Kindes zunehmen, umso mehr treten mögliche Gefährdungen, die im Zusammenhang mit diesen Aktivitäten stehen, in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Eltern. Diese Aufmerksamkeit kann übersteigert zu Ängsten führen.

Eltern fällt es meisten nicht leicht, ihr Kind in eine Kinderbetreuungseinrichtung oder zu einer Tagesmutter zu geben. Geben die Eltern das Kind in eine Kita, Krippe oder einen Kindergarten, so sind damit viele Veränderungen verbunden. Sie müssen das Kind ein Stück loslassen, können es für einen längeren Tagesabschnitt nicht selbst begleiten. Das Kind kann in dieser Betreuungszeit den Eltern nicht direkt seine Bedürfnisse mitteilen. Eltern wollen, dass es dem Kind gut geht, es sich wohl fühlt und optimal gefördert wird. Insbesondere, wenn das Kind noch im vorsprachlichen Entwicklungsstadium ist, wissen sie nicht, ob sie den Erziehern glauben können, dass es ihrem Kind gut geht. Trennungsängste spielen eine Rolle, sowohl bei den Eltern, als auch bei den Kindern. Eine gesunde Bindung zwischen Eltern und Kind ist hilfreich, diese Trennung gut zu überstehen. Das Berliner Modell zur schrittweisen Eingewöhnung von Kindern in Kitas hilft Eltern und Kindern, diese Ängste zu überwinden und Vertrauen in die Erzieherinnen und Erzieher aufzubauen.

Fragen, die sich die Eltern stellen, sind: Können die Erzieher das? Kann unser Kind das? Kann ich das? Verbunden sind diese Trennungsängste oft mit Trauer bei den Müttern. Väter können dabei ihre Kinder oft besser loslassen, auch wenn es ihnen emotional nahe geht. Sie unterstützen als Partner ihre Frau dabei, die Kita als normalen und sicheren Lebensort für ihr Kind zu akzeptieren.

Eltern, insbesondere die Mütter, haben mitunter Angst, dass das eigene Kind mit den Erzieherinnen „fremdgeht“. Dahinter stecken unbegründete Ängste, das Kind könnte die Eltern nicht mehr oder weniger als früher lieben.

Väter stärken Kleinkindern den Rücken, wenn sie ihnen vertrauen. Sie erhöhen die Selbstwirksamkeit der Kinder, in denen sie ihnen Erfahrungsräume ermöglichen, die ihre Grenzen erweitern. Von außen betrachtet sieht dies so aus, als würden sie eher robuste Handlungen fördern. Väter fordern ihre Kinder. Mütter greifen oft beängstigt ein. Sie vertreiben dadurch möglicherweise den Vater aus der Beziehungsgestaltung mit dem Kind. Dies verringert die Selbstwirksamkeit des Kindes, kann es verunsichern und seine Grenzen und seinen Erfahrungsraum einengen.

Jede neue Lebensphase bringt für die Eltern Gefühle von Verunsicherung mit sich und erzeugt Ängste. Sie müssen die Kontrolle über das Leben ihres Kindes immer mehr abgeben. Die Erziehung und das Aufwachsen des Kindes werden mehr und mehr in den institutionellen Rahmen verlagert. Diese Erfahrung ist für die Entwicklung des Kindes wichtig, um seine Selbstwirksamkeit zu stärken und sich in sozialen Interaktionen zu erfahren und zu bewähren. Immer mehr Kinder wachsen in Ein-Kind-Familien auf. Kindertageseinrichtungen ermöglichen Kindern soziale Kontakte, das Austragen von Konflikten mit Gleichaltrigen und das Erlernen und Aushandeln von Kompromissen.

Eltern lernen ein Vertrauensverhältnis in die institutionelle Betreuung zu entwickeln. Dabei müssen sie sich mitunter mit eigenen und fremden Vorurteilen, ob dies dem Wohlergehen des Kindes förderlich ist, auseinandersetzen. (Das Wort „Rabenmutter“ gibt es nur in der deutschen Sprache.)

Je älter das Kind wird und je mehr es sich von Zuhause entfernt, umso größer kann der Schmerz, die Trennungs- und Verlustangst der Eltern werden.

Das Verhalten der Kinder wie Wutausbrüche, Schreianfälle oder unreguliertes Verhalten kann Eltern ohnmächtig machen und bei ihnen Ängste und Sorgen auslösen. Hier werden Fantasien der Eltern aus der Schwangerschaft enttäuscht, was zu Wutgefühlen führen kann.

In der Entwicklung des Kindes haben die Eltern immer Angst um den Verlust des Kindes. Hier spielen philosophische oder religiöse Ängste und Fragen eine Rolle, was bleibt von mir, wenn ich keine Nachfahren habe oder diese vor mir sterben?

 

In der Pubertät

Kommen die Kinder in die Pubertät und werden zu Jugendlichen, verändern sich die Ängste der Eltern. Sie sorgen sich, dass die Pubertierende sich durch riskantes Verhalten selbst verletzen könnten, Drogen nehmen, zu viel Alkohol trinken und dann Dinge tun, die sie später bereuen oder die finanzielle Nachteile bedeuten.

Für Jugendliche ist dieser Lebensabschnitt eine Phase der Loslösung von den Eltern und der Herkunftsfamilie. Gleichzeitig besteht noch eine ökonomische Abhängigkeit von den Eltern, die zu Ambivalenzen führt. Regelmäßig fühlen sich die Jugendlichen auch noch emotional abhängig, wenn sie von bestimmten Gefühlen, wie dem ersten Liebeskummer überflutet werden. Ihnen fehlen Fähigkeiten und Strategien bei der Bewältigung des Lebens (Wäsche waschen, kochen, Auto fahren, Urlaub planen und alleine reisen...) und sind auf die Unterstützung ihrer Eltern angewiesen.

Andererseits möchten und müssen die Jugendlichen ihre eigenen Grenzen austesten und die Welt kennenlernen. Sie wollen ihre Selbstwirksamkeit und Unabhängigkeit erfahren. Dies kann zu risikoreichem Verhalten führen.

Der Ablösungsprozess von den Eltern führt zu inneren Konflikten bei den Pubertierenden. Die Gefühlswelt und die Veränderungsprozesse im Körper der Jugendlichen bringen sie durcheinander. Diese Konflikte werden oft nach außen getragen und es gibt Streit mit den Eltern.

Auch die Eltern sind verwirrt und vielleicht überfordert. Für sie ist die Situation nicht einfach. Sie stellen sich Fragen wie: Was haben wir falsch gemacht? Liebt unser Kind uns noch? Wieso hat er / sie sich so verändert?

Das risikoreichere Verhalten der Jugendlichen und das Austesten von Grenzen führen zu Ängsten bei den Eltern, die durch eigene traumatische Erlebnisse verstärkt werden können. Alte Filme können ablaufen.

Jugendliche benötigen diese Erfahrungen, um ihre eigenen Ängste durchzustehen. Es hilft ihnen nicht, angstauslösende Situationen zu vermeiden, sondern sie müssen ihre Ängste durchstehen, ihre eigenen Grenzen erleben und so Mut erwerben. Diese Erfahrung von Selbstwirksamkeit ermöglicht ihnen die Stärkung ihres Selbstbewusstseins.

Verbote durch die Eltern können das Vertrauensverhältnis beschädigen. Eine vertrauensvolle und offene Beziehung, sowie eine gute Bindung zwischen Eltern und Kind ist hilfreich. Konflikte sollten thematisiert und nicht unter den Tisch gekehrt werden.

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