Können wir unangenehmen Dingen aus dem Weg gehen?

Ein Baum ohne Blätter im Herbst. Daneben ein Baumstamm und abgebrochene Äste. Sie versperren den Weg.

„Ganz oben auf der Liste meiner Erfahrungen steht die Erkenntnis, dass man unangenehmen Dingen nicht aus dem Weg gehen kann.“

Henry Ford


Was passiert, wenn wir es doch versuchen? Versuchen, den unangenehmen Dingen aus dem Weg zu gehen?

Wie viele Menschen habe ich es versucht. Sie waren mir einfach zu unangenehm. Ich habe prokrastiniert (andere Dinge getan, nur nicht die, die dran waren). Dadurch wurden die unangenehmen Dinge, die anfangs noch wichtig, aber nicht dringend waren, immer dringender. Irgendwann kam der Zeitpunkt. Der Zeitpunkt der Prüfung, der Abgabe einer wichtigen Hausaufgabe, eines Konzeptes, einer Präsentation. Also musste ich mich unter großem Zeitdruck an die Aufgabe setzen. Hatte keine richtige Lust darauf. Aber der Druck war so hoch. Man nennt dies auch extrinsische Motivation. Darunter versteht man Motivation durch hohen Druck, durch eine befürchtete oder tatsächliche Strafe. Mit dieser Motivation ist oft nicht nachhaltig, wenn Du Deine eigenen Ziele erreichen möchtest. Aber es gibt sie immer wieder, die Aufgaben, die wir machen müssen, um eine bestimmte Ausbildung abzuschliessen, die wir brauchen, um unsere Lebensziele zu erreichen. Ich habe also die unangenehme Aufgabe so lange vor mir her geschoben, bis es nicht mehr ging. Dann habe ich sie in einer Nachtschicht mit Mühe und Not geschafft.

Besser als die Motivation von außen, ist die Motivation, die aus unserem Inneren kommt. Man sagt dazu auch intrinsische Motivation. Die Dinge gehen uns mit dieser Motivation viel leichter von der Hand. Wir können bei der Erledigung der Aufgabe, ganz darin aufgehen. Das Gefühl von Flow kann entstehen.


Manchmal sind die Dinge nicht dringend, sie werden auch nicht dringend, weil es egal ist, wann wir die unangenehme Sache aus dem Weg räumen. Ist es wirklich egal? Die Sache ist uns ja unangenehm, also sie ist emotional für uns besetzt. Und das negative Gefühl, dass damit verbunden ist, ist ein Ausdruck dafür, dass die Sache uns wichtig ist und wir sie gerne weg hätten. Können wir also der unangenehmen Sache wirklich aus dem Weg gehen? Ja, aber für einen hohen Preis.


Sigmund Freud, der Entwickler der Psychoanalyse hat sich vor über 100 Jahren schon mit den Mechanismen der Verdrängung beschäftigt. Er hat herausgefunden, dass vielen neurotischen Störungen, ungelöste Konflikte zu Grunde liegen. Neurotische Störungen können zum Beispiel Zwänge, Ängste, nicht körperlich begründete Schmerzen und Lähmungen, Ohnmachten, Schlaf- und Essstörungen sein. Die Konflikte konvertieren und werden zu Konversions- oder Somatisierungsstörungen.


Wenn wir also lange genug die unangenehme Sache vor uns herschieben, sie verdrängen und einfach nicht erledigen, haben wir gute Chancen andere Symptome zu entwickeln, die uns belasten können. Sie können uns psychisch, aber auch körperlich krank machen. Die Symptome können sehr vielfältig sein. Eine Aufzählung wäre an dieser Stelle zu lang.

Schiebe unangenehme Dinge nicht auf! Die beste Methode ist es, sie gar nicht erst groß werden zu lassen. Also sofort zu erledigen. Dies ist nicht einfach, dass weiß ich, sonst würde ich nicht diesen Blogartikel schreiben. Auch mir fiel dies nicht immer leicht.

Seit einiger Zeit habe ich mir angewöhnt, am Morgen mit der unangenehmsten Aufgabe zu beginnen. Ich nenne es, den Frosch küssen. Das war anfangs ungewohnt. Jetzt ist es zur Gewohnheit geworden. Und das Schöne daran ist, hinterher freue ich mich, dass ich wieder eine scheinbar schwierige Aufgabe erledigt habe. Abends schreibe ich dies in mein Glückstagebuch und freue mich.

Kennst Du dieses Gefühl von Dir, unangenehme Aufgaben vor Dir her zu schieben. Diese Dinge vor Dir herzuschieben, bis es nicht mehr geht und sie dringend geworden sind? Oder hast Du noch "Leichen" im Keller, die Du seit langer Zeit vor Dir herschiebst und endlich einmal klären möchtest?

Ich unterstütze Dich dabei, eine Strategie zum Lösen der Aufgabe zu finden, die Aufgaben nicht mehr vor Dir herzuschieben und die notwendige Motivation zu entwickeln. 

 

von Reiner Müller (c) - Coach und Hypnosetherapeut

 

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