So gelingen Deine guten Vorsätze

So gelingen Deine guten Vorsätze. Die Sonne geht unter und spiegelt sich im Wasser der Spree an der Oberbaumbrücke.

Gute Vorsätze und woran sie scheitern können

von (c) Reiner Müller (Angsttherapeut und Heilpraktiker für Psychotherapie)

Alle Jahre wieder formulieren wir gute Vorsätze für das neue Jahr. Angesichts der aktuellen Lage stehen vermutlich die Wünsche nach Gesundheit, verbunden mit dem Vorsatz mehr dafür zu tun, ganz im Vordergrund.

Pünktlich zum Jahreswechsel nehmen wir uns vor, mit dem Rauchen aufzuhören, uns gesünder zu ernähren, nachhaltiger zu leben oder mehr Sport zu treiben. Die Tage zwischen den Jahren und zu Beginn des neuen Jahres nutzen viele, um entsprechende Pläne zu schmieden. Der Jahreswechsel wird dann als Neustart empfunden: „Ab jetzt mache ich alles besser!“ Doch während gute Vorsätze schnell gefasst sind, scheitert es oftmals an der Umsetzung. Warum fällt es so schwer, unsere ambitionierten Pläne in die Tat umzusetzen?

Wenn du dein Ziel aus den Augen verlierst

In den ersten Januartagen haben Raucherentwöhnungsprogramme und in den vergangenen Jahren Fitnessstudios Hochkonjunktur. In diesem Jahr hoffen die Anbieter von Online-Fitness- und -Abnehm-Kursen auf großen Zuspruch und haben schon im Dezember die Marketingmaschine angeschmissen.

Doch allzu schnell ebbt die erhöhte Nachfrage wieder ab. War die Motivation anfangs noch sehr hoch, verlieren viele ihr Ziel im Alltagstrubel wieder aus den Augen. Der Online-Kurs wurde gebucht und bezahlt und dann nicht mehr aktiv genutzt und umgesetzt.

Um dem entgegenwirken zu können, kannst Du Dir ganz bewusst vorstellen, wie es sein wird, wenn Du Dein Ziel erreicht hast. Wie wird es Dir damit gehen? Was wird sich konkret verändert haben? Wie wird es sich anfühlen, wenn Du Deine guten Vorsätze in die Tat umgesetzt hast?

Auch die Formulierung Deines Ziels hat entscheidenden Einfluss darauf, ob Du es erreichen wirst. Hierfür hat sich die SMART-Methode als besonders hilfreich erwiesen.

Umgang mit Hindernissen und Schwierigkeiten

Wenn unsere guten Vorsätze scheitern, haben wir uns meist zu viel auf einmal vorgenommen. Ein absoluter Sportmuffel wird nicht von heute auf morgen ein Marathonläufer. Anstatt ein sehr hochgestecktes Ziel erreichen zu wollen, kannst Du Dir zunächst kleinere Teilziele setzen.

Manche Vorsätze haben eine Verhaltensänderung zum Ziel. Vielleicht möchtest Du das Rauchen aufgeben, Deine Ängste besiegen oder mehr Sport treiben. Bei solchen Zielen solltest Du Dir bewusst machen, dass diese Veränderungen nicht von heute auf morgen möglich sind. Verhaltensänderungen kannst Du Dir wie einen Weg vorstellen. Zunächst ist der neue Weg ein kleiner Trampelpfad. Wenn Du ihn öfter gehst, wird er zu einem festeren Weg. Gehst Du ihn immer wieder und regelmäßig, wird er zur Straße und später zur Autobahn. Auf diese Weise verändert sich auch Dein Gehirn. Je öfter Du eine Sache tust, desto sicherer wirst Du darin. Die Verknüpfungen im Gehirn werden immer größer und besser. Wenn Du aber den neuen Trampelpfad nach wenigen Benutzungen nicht mehr gehst, wird er zuwachsen und das alte Verhalten wird sich wieder einschleichen und festigen. 

Innere Anteile, die dich daran hindern, deine Ziele zu erreichen

Wer sein Verhalten ändern möchte, sollte wissen, dass es in jedem Menschen unbewusste innere Anteile gibt, die für gewisse Verhaltensweisen verantwortlich sind. Diese inneren Anteile haben stets eine positive Absicht, auch wenn das manchmal nicht leicht zu erkennen ist. So lässt ein innerer Anteil den Raucher zur Zigarette greifen, um die Langeweile zu vertreiben, ihm gute Gefühle zu machen oder Stress abzubauen. Ängste, die auf den ersten Blick nicht gerechtfertigt scheinen, können ebenfalls in diesen unbewussten Teilen begründet sein. Vielleicht hast Du als Kind eine unangenehme Situation erlebt. Daher versucht ein Teil von Dir, ähnliche Erlebnisse zu vermeiden.

Die inneren Anteile wollen also dafür sorgen, dass es Dir gut geht. Dennoch kann es notwendig sein, dass Du sie veränderst. Um zu verstehen, wie das möglich ist, kannst Du Dir vorstellen, dass sie in Dir wohnen wie in einem Haus. Du bist der Eigentümer dieses Hauses, in dem Mieter mit unterschiedlichsten Verhaltensweisen wohnen. Daher hast Du auch die Möglichkeit, Mietverträge zu verlängern oder zu kündigen. Auch neue Mieter können in Dein Haus einziehen, wenn Du zustimmst.

Du musst inneren Anteilen, die Deinen guten Vorsätzen widersprechen, nicht sofort eine Räumungsklage vorlegen. Was oft nicht funktionieren wird, da sie durch die Gartentür wieder einen Weg zurück ins Haus finden werden. Du kannst sie zunächst intensiv nach ihren Beweggründen befragen und auf dieser Grundlage neue Vereinbarungen mit ihnen treffen.

Gute Vorsätze in sechs Schritten erreichen

Um die guten Vorsätze einzuhalten, darfst Du die eigenen inneren Anteile nicht ignorieren. In sechs Schritten kannst Du Dich mit dem inneren Anteil auseinandersetzen, der es Dir bisher schwer gemacht hat, Deinen Plan in die Tat umzusetzen.

1. Gesprächseinladung

Hierfür findest Du zunächst diesen Teil in Dir und lädst ihn zu einem klärenden Gespräch ein. Das mag befremdlich klingen, da Du ihn nicht vor Dir sehen kannst. Du kannst Dir diese Kommunikation wie ein Selbstgespräch vorstellen, bei dem nur dieser eine Teil von Dir Dein Gesprächspartner ist.

2. Kontaktaufnahme

Anschließend signalisierst Du dem inneren Anteil, dass Du offen und liebevoll mit ihm in die Kommunikation treten möchtest. Danke ihm für seine Kooperation.

3. Positive Absicht erkennen

Mache Dir noch einmal bewusst, dass der innere Anteil Dir nichts Böses will und ergründe seine eigentlichen Absichten.

4. Neuen Weg aufzeigen

Die Art und Weise, wie der innere Anteil Dir etwas Gutes tun will, steht im Gegensatz zu Deinem guten Vorsatz. Um einen besseren Weg zu finden, seine Absicht zu erfüllen, kannst Du Deinen kreativen Teil bitten, Alternativvorschläge zu unterbreiten. Hier kommt Dein guter Vorsatz zur Sprache.

5. Einwände anerkennen

Möglicherweise erhebt der innere Anteil – oder auch andere Teile in Dir – Einwände gegen Deinen guten Vorsatz. Höre ihnen aufmerksam zu und biete eine Einigung zur Probe an.

6. Vereinbarung

Abschließend vereinbarst Du mit Deinem inneren Anteil, dass er fortan die Verantwortung für das neue Verhalten übernimmt. Du kannst eine Probezeit mit ihm vereinbaren und zu einem festgesetzten Termin erneut in Kontakt treten, um diese Erfahrung zu besprechen.

Dieses „Teilegespräch“ ist gerade beim ersten Mal nicht ganz einfach umzusetzen. Doch ein Coach kann die Kommunikation mit Deinen inneren Anteilen begleiten und Dich dabei unterstützen, die guten Vorsätze umzusetzen.

 

Text: Reiner Müller

Coach, Angsttherapeut und Heilpraktiker für Psychotherapie

© 2021/01 (Dieser Artikel erschien im Januar 2020 und wurde am 1.1.2021 aktualisiert und überarbeitet.)

 

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