Hypnosetherapie wirkt bei Ängsten, Phobien und Panikattacken

Ein sommerliches Getreidefeld. Links davon ein von Obstbäumen beschatteter Weg. In Hypnose sind Traumreisen und ein leichter Zugang zum Unbewussten möglich. Foto Copyright: Reiner Müller - @r01mueller

Hypnosetherapie wirkt bei Ängsten, Phobien und Panikattacken. Die Wirksamkeit von Hypnose bestätigt eine Metastudie von Prof. Dr. Dirk Revenstorf von der Universität Tübingen. In der Metastudie wertet er verschiedene bereits vorliegende Studien aus. Insgesamt wurden über 200 Studien und 11 Metastudien ausgewertet. In den meisten der 12 vom Wissenschaftlichen Beirat für Psychotherapie vorgegebenen Anwendungsbereiche kann eine Wirksamkeit durch Hypnose nachgewiesen werden. Zusätzlich wird eine Wirksamkeit bei der Ess-Störung Übergewicht (Adipositas) erwähnt, die zu den wachsenden "Volkskrankheiten" gehört. Unter den 12 Bereichen sind die Bereiche Ängste, Phobien und Panikattacken in denen durch die Uni Tübingen die beste Wirksamkeit durch Hypnosebehandlung bestätigt wird.

Insgesamt gute Wirksamkeit von Hypnose nachgewiesen

Insbesondere bei Prüfungsangst, Tierphobien, Angst vor öffentlichem Sprechen (Auftrittsangst, Sozialer Phobie), Flugangst und pathologischer Angst konnte die Wirksamkeit nachgewiesen werden. Die analysierten Studien entsprechen den geforderten wissenschaftlichen Kriterien. Die Behandlung mit Hypnose bei einer Gruppe wurde mit mindestens einer weiteren Gruppe verglichen, die keine Behandlung erhalten hat. In den meisten Studie wurde die Wirksamkeit von Hypnose außerdem mit anderen Therapieverfahren verglichen. Hier gab es zusätzlich eine zweite Kontrollgruppe. Beim Vergleich der Gruppen, schloss die mit Hypnose behandelte Gruppe am besten ab. Dies gilt auch im Langzeitvergleich der Gruppen. Bei der Auflösung von Prüfungsangst sowie der Angst vor öffentlichem Sprechen wurden lediglich zwei Hypnosesitzungen durchgeführt. Bei anderen Angststörungen waren nur drei bis sechs Sitzungen notwendig.

Gute Wirksamkeit von Hypnosetherapie gibt es bei psychoneurotischen Störungen, insbesondere bei Ängsten, Belastungsstörungen, wie Anpassungsstörungen und Posttraumatischen Belastungsstörungen.

Ein Einsatz von Hypnose ist wirkungsvoll bei Substanzabhängigkeit, insbesondere bei Tabaksucht, bei Schlafstörungen, der Schmerzbehandlung sowie bei Essstörungen. Die Behandlungstechniken der Hypnose eignen sich für psychische, psychosomatische und somatische Störungen mit Krankheitswert und sind auch für die Prophylaxe geeignet. Bei der Vorsorge ist der erfolgreiche Einsatz von Hypnose bei der Gewichtsreduktion zu nennen. 

Hintergrund: Was ist Hypnosetherapie?

Hypnosetherapie nutzt die hypnotische Trance, um Verhaltensänderungen zu ermöglichen. Dabei ist der Klient in der Trance in einem veränderten Bewusstseinszustand. In diesem Zustand, können gedankliche Strukturen neu geordnet und verknüpft werden. Emotional belastende Ereignisse, die Sichtweise auf diese und die Empfindungen bei der Erinnerung an diese können verändert und neu strukturiert werden, so dass diese als nicht mehr belastend empfunden werden. Gefühle, affektive Muster können verändert werden. Hier ist es möglich die Reaktionsmuster zu verringern, verstärken oder neu zu konditionieren. Ungewünschte Verhaltensweisen, unproduktive Einstellungen können korrigiert und Motivation erhöht werden. Durch Hypnose ist es möglich körperliche und biochemische Veränderungen für Heilungsprozesse zu fördern.

In der Hypnosebehandlung sollen Klienten Zugang zu eigenen Ressourcen finden, die bisher verschlossen sind. Der Zugang wird verbessert werden, Hindernisse werden aus dem Weg geräumt. Von der Problemperspektive wird auf die Lösungsperspektive gewechselt. Im Umgang mit Gefühlen werden Trigger, die bestimmte Affekte auslösen, aufgelöst und der Zugang zu Gefühlen, der bisher verschlossen war, geöffnet und diese Gefühle reintegriert.

In der Hypnose werden körperliche Prozesse des Kreislaufs, der Muskulatur, des Immun- und Hormonsystems positiv beeinflusst.

Die Hypnosetherapie ist eine lösungsorientierte Behandlungsmethode. Durch den einfachen Zugang zum Unterbewusstsein im Zustand der Trance können verschüttete Gedächtnisinhalte aus dem episodischen und prozeduralen Gedächtnis aktiviert werden. Eine Altersregression ist möglich. So können konflikthafte Hintergründe von Problemen aufgedeckt und geklärt werden. So werden Veränderungen in der Gegenwart ermöglicht, die durch diese Hintergründe bisher verhindert wurden.

Ein ausgebildeter Hypnotiseur kann Klienten dabei unterstützen, die Selbsthypnose zu erlernen und so als Selbsthilfetechnik anzuwenden.

Der Klient kann durch das Vertrauensverhältnis zwischen dem Hypnosetherapeuten und ihm, Zugang zu seinen unbewussten Gedächtnisinhalten bekommen und so kreative Ressourcen seines Denkens sowie unwillkürliche Reaktionen seines Körpers in die Veränderungsprozesse einbeziehen. Diese Veränderung wird durch Visualisierung, Imagination und Lösungsphantasien (Suggestionen) erreicht. 

Die Studie

Die ausführliche Studie kann auf der Homepage der Universität Tübingen oder unter dem beigefügten Link heruntergeladen werden.

Die Langfassung der Metastudie zum Download
http://www.meg-tuebingen.de/downloads/Expertise.pdf

Weiterführende Informationen
Hypnosetherapie bei Ängsten, Phobien und Panikattacken

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